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17.05.2018

Digital Future Science Match 2018: HPI-Wissenschaftler präsentieren digitale Trends

Die Messlatte für die rund 50 Rednerinnen und Redner, die am 14. Mai auf dem Berliner „Science Match 2018“ nicht viel weniger als die Zukunft einer datengetriebenen Gesellschaft präsentieren sollten, hätte kaum höher liegen können. MIT-Professorin Shafi Goldwasser, die mit einer Keynote die Konferenz eröffnete, gilt als Legende auf dem Gebiet der Kryptografie, 2012 erhielt sie für ihre weitreichenden Beiträge zu einer vertrauenswürdigen Kommunikation über das Internet den Turing-Award. Sie definierte zugleich das gemeinsame Ziel aller Vortragenden: Mithilfe neuer digitaler Technologien soll die Welt sicherer, komfortabler und ökologischer werden. Doch (wie) kann das gelingen?

Digital Future Science Match 2018
Auf dem Digital Future Science Match 2018 hatten die Vortragenden nur 5 Minuten Zeit, ihre Forschung zu präsentieren. (Foto: K./Herschelmann)

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Im geschichtsträchtigen KOSMOS Berlin, ehemals das größte Premierenkino der DDR, erhielten etwa 1000 Gäste eine ganze Reihe von Antworten auf diese Frage aus den Bereichen Cyber Security, Digital Decision Support, Big Data, Artificial Intelligence und Self-determination in a Networked Society. Ermöglicht wurde das opulente und diverse Programm durch den Tagesspiegel-Verlag, der am Montag seine mittlerweile vierte „Digital Future“-Konferenz veranstaltete. Partner der Veranstaltung waren das Zuse Institute Berlin und das Hasso-Plattner-Institut (HPI). Das Prinzip des Science-Match-Formats ist so einfach wie herausfordernd: In 5 Minuten sollen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ihre Motivation und ihren Forschungsschwerpunkt, möglichst mit Beispielen unterlegt, einem heterogenen – wenn auch IT-affinen – Publikum nahebringen.

Im ersten Programmteil, der sich der Sicherheit im Internet widmete, wurde auch Selbstkritik geübt: Professor Michael Waidner vom Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie bescheinigte der IT-Community (inklusive sich selbst), angesichts der kontinuierlich ansteigenden Zahl von Software-Sicherheitslücken sei „schlecht gearbeitet“ worden, es handele sich hierbei nicht um ein Naturgesetz. Neben mangelhaftem Code auf der einen Seite demonstrierte HPI-Doktorand David Jäger mangelhaftes Sicherheitsbewusstsein der Nutzer auf der anderen Seite: Während sich unter den Lieblingspasswörtern der Deutschen „passwort“ und „qwertz“ finden lassen, setzen die fußballaffinen Briten mehrheitlich auf „liverpool“ und „arsenal“. Aber selbst auf Kommunikationswege, die heute als sicher gelten, sei kaum Verlass – in wenigen Jahren könnten Quantencomputer die aktuell verlässlichen Krypto-Verfahren gänzlich aushebeln und auch Jahre zurückliegende Informationen zugänglich machen, erläutert Professor Eike Kiltz von der Ruhr-Universität Bochum.

Bildergalerie des Digital Future Science Match 2018

 

Wie viel Potential große Datenmengen und immer stärkere Rechenleistung für ökologische, wirtschaftliche und soziale Systeme haben, demonstrierten u.a. Carlo C. Jaeger vom Global Climate Forum, Martin Visbeck vom GEOMAR Helmholtz Centre for Ocean Research und Patrick Ole Noack von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Im Kombination mit eigens erhobenen Beobachtungsdatenmit können Computermodelle Dr. Dirk Notz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie zufolge einen tiefgreifenden Einblick in die zukünftige Entwicklung der Eismassen auf unserem Planeten geben. Leider, so das Fazit, können sie das Schlimmste dennoch nicht verhindern: Drei Quadratmeter Meereis verschwinden pro Tonne emittiertem CO2 – angesichts der aktuellen Entwicklungen wird laut Frick innerhalb der nächsten 20 Jahre der Punkt erreicht sein, an dem das arktische Meereis im Sommer vollständig schmilzt.   

Dass oft nicht die Daten selbst oder deren Analyse, sondern die Visualisierung zu den größten Herausforderungen für die Unterstützung informierter Entscheidungen geht, erklärte HPI-Professor Emmanuel Müller in seinem Vortrag. Wie sich die Kluft zwischen den Daten und den Menschen überwinden lässt, lernen ab Oktober die ersten Masterstudierenden im neuen Studiengang „Data Engineering“ am HPI. Professor Begüm Demir von der Technischen Universität Berlin illustrierte auf der „Science Match“-Bühne, wie sie als Leiterin des „BigEarth“-Projekts nach neuen, skalierbaren Wegen sucht, Satellitenbilder von der Erde nach wichtigen Informationen wie Waldbrandflächen durchsuchbar zu machen.

Auch der ethische Umgang mit Daten wurde auf der Konferenz diskutiert: So stritten Vertreter u.a. des Deutschen Bundestages, von Google Germany, dem Oxford Internet Institute und AlgorithmWatch darüber, wer die Verantwortung trägt, über die Rechtmäßigkeit digitaler Inhalte zu entscheiden – private Unternehmen oder staatliche Gerichte. Die pragmatische Entscheidung wurde jüngst durch das umstrittene Netzwerkdurchsetzungsgesetz getroffen, die Diskussion jedoch geht weiter.

Das Team des IT-Gipfelblogs sprach im Video-Interview mit Prof. Shafi Goldwasser: