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23.03.2017

#HPI_log

3. CeBIT-Tag: Hilfe, die Roboter kommen!

Drei Tage lang war der IT-Gipfelblog auf der CeBIT unterwegs, um mit Experten aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft darüber zu sprechen, wie die digitale Zukunft aussehen könnte und welche Fragen den Fachleuten heute unter den Nägeln brennen. Ein kurzer Erlebnisbericht von Menschen, die ihr eigenes Herz hacken und Robotern, die gerne einen richtigen Körper hätten.

Die IT-Gipfelblogger Helene Kolkmann, Dennis Kipping, Felicia Flemming und Marie Thomas haben mit Hiroshi Ishiguro (Mitte) über die Roboter-Welt der Zukunft gesprochen.

#HPI_log zur CeBIT 2017

Im HPI-Logbuch geben wir aus verschiedenen Perspektiven einen Einblick hinter die Kulissen unseres CeBIT-Auftritts:

Vom IT-Gipfelblog-Team, dem studentischen Video-Blog des HPI

Der Saal ist voll und die Spannung liegt fast fühlbar in der Luft, als Hiroshi Ishiguro die Bühne der CeBIT Global Conference in Hannover betritt: Der „Popstar der Roboterforschung“ aus Japan wird uns gleich etwas von seiner Vision einer durchdigitalisierten Welt erzählen und mehr noch – er ist einer derjenigen, die diese Zukunft mit ihren künstlichen Kreaturen tatsächlich gestalten. Nun, zumindest eine glaubwürdige Version von Zukunft. Glaubwürdig deshalb, weil Ishiguros Ideen im Land der aufgehenden Sonne bereits großflächig getestet werden und die teils enthusiastisch aufgenommenen Prototypen mittlerweile um die Welt gehen. Wie beispielsweise die von Ishiguro entwickelten „Hugvies“. Das sind menschenähnliche Kissen, die in Verbindung mit einem Handy zu sprechenden Puppen werden und den Eindruck von körperlicher Nähe während eines Telefonats erzeugen können.

Sehr viel weiter gehen seine humanoiden Roboter, die laut der CeBIT-Präsentation bereits tiefe Gespräche über die Unterschiede zwischen Menschen und Robotern zu führen in der Lage sind. Das Ziel des Ganzen? In der Lehre haben Roboter mehr Geduld, in der Altenpflege mehr Zeit – und menschliche Roboter können lange über den Tod eines Erdbewohners hinaus weiterleben. Im Interview haben wir mit Ishiguro darüber gesprochen, ob künstliche Wesen jemals ein Bewusstsein haben können und wie man dann die Frage nach den Rechten beantworten müsste. In Zukunft sei es für ihn sogar vorstellbar, dass humanoide Maschinen als Lebenspartner in unserer Gesellschaft akzeptiert werden.

Professor Hiroshi Ishiguro (japanischer Robotiker) im IT-Gipfelblog-Interview

Während wir uns nach diesen Eindrücken vorkommen wie in einem fleischgewordenen Science-Fiction-Film, holen uns andere Gespräche wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. So erzählt uns beispielsweise die norwegische Forscherin Marie Moe von ihrem Herzschrittmacher, der potentiell auch für kriminelle Hacker angreifbar ist. Wie angreifbar, das ist nicht klar: Der Code, von dem ihr Leben abhängt, ist proprietär. Über Sicherheitsstandards und Datenschutz können Patienten kaum etwas erfahren, offizielle Regularien gibt es nicht. Um an mehr Informationen zu kommen, musste die Informatikerin erst ihr eigenes Hacking-Projekt starten, in dem sie Angriffsszenarien mit auf Ebay gekauften Geräten selbst durchspielte.

Sie fordert auf der CeBIT, dass die Verwundbarkeit der Hard- und Software von medizinischen Geräten viel stärker in den Fokus der gesellschaftlichen, wissenschaftlichen und politischen Debatte rückt. Wie akut das Problem ist, kann ebenfalls nur spekuliert werden, denn Statistiken über Software-Schwachstellen und daraus resultierende Risiken gibt es laut Moe nicht. Zumindest in ihrem Fall hat sie am eigenen Leib erfahren, wie sich ein Programmierfehler anfühlen kann – ein fehlerhafter Algorithmus hat vor einigen Jahren verhindert, dass ihre Herzfrequenz 160 Schläge in der Minute überschreitet und die Leistung stark gedrosselt. Rennen und Treppensteigen wurden fast unmöglich.

Beim Zuhören entsteht der Eindruck, dass wir selbst in Bezug auf die Geräte, die wir bereits nutzen und die auf teilweise existenzielle Weise über Leben und Tod bestimmen, noch viel nachzuholen haben. Wie das wohl mit den Robotern wird?

Dr. Marie Moe (SINTEF) im IT-Gipfelblog-Interview